wie ich über menschen denke, die mich wirklich lieben, ist erschreckend. was ist die konsequenz? allein sein? wird dadurch irgendwas besser?
ich fühle mich gefangen, mal wieder.
aber neu: das gefühl entsteht bei mir, nirgends sonst.
aha!
seit einem jahr wohne ich am fjord, und es hat sich so viel nicht getan. oder doch?
den einen jungen weggeschickt, mit einem anderen im hippiebus übernachtet. besuch bekommen von einem dritten.
der jetzt da ist.
wieder wird es um halb 4 dunkel, wieder hängen schwere regenwolken über dem land,
aber es geht voran. langsam. und jeder millimeter vorankommens bedeutet nachdenken, reflektieren und alles gewohnte über den haufen werfen. auch alte freundschaften, auch familie, wenn's hart auf hart kommt.
im märz werde ich einen eigenen hippiebus haben.
am polarkreis bin ich gelandet, und wollte doch ins licht.
kurz aufblitzende sonnentage werden überstrichen von schweren, nassen wolkendecken
unter denen alles verwest.
wir stellen kleine, helle kegel auf
die sich nähren aus endlichen quellen.
leben auf standby. hilflos obst aus der ferne essen.
ich kann das kalte, schwarze öl
nicht länger mehr ertragen.
jaaa, das hier gibt's ja auch noch. stimmt. obwohl, liest das eigentlich jemand?!
nun. ich bin wirklich umgezogen. aber allein. jetzt in einer haus-wg mit 4 leuten und 3 katzen. schön am meer. naja, nicht direkt, aber man kann in 5 minuten (wenn man ordentlich in die pedale strampelt) am hafen sein. an einem fjordhafen. ich glaube, es ist wirklich schön hier, leider nieselt es aber seit anfang november und wird auch gegen halb 4 dunkel. und weil die post meinen in köln vergessenen vespaschlüssel verloren hat, findet mein derzeitiges leben im umkreis von einem kilometer statt. meistens im umkreis von 50 metern, so weit ist es bis zur schule. hmm... konservendosengefühl.
alles andere als konserve: das mit den jungs. also, ich hab ja gedacht, das wird alles easier, wenn man sich erstmal getrennt hat, aber pustekuchen. wo anfangen? beim nächsten mal. :-)
felix hat den zug um 12.11 uhr nach hamburg genommen. davor haben wir ein wochenende verbracht, wie es in berlin hätte sein können, aber nicht war. was in der eigenen stadt möglich ist, wird mir immer erst klar, wenn gäste da sind.
donnerstag starteten wir mit dem wöchentlichen literaturabend im café duddel. jaha, das schmockige. vom studienabbrecher mit fettzopf und verstimmter gitarre über den brilli, der "was aus dem sapphorischen" übersetzt hatte, was nun leider keinen sinn mehr ergab, bis zu richtig guten gedichteschreibern war alles vertreten. und wo kann man schon mit käsekuchen im sofa fläzen und sich etwas vorlesen lassen - kostenlos? noch flugs ins sonic ballroom, auf ne runde kicker. dort spielte allerdings eine band aus dem ausland sogar!, die uns aber zu laut war, und wir sparten uns den eintritt und blieben im flur, am kicker, bis der sänger kam und mitspielte. breit war der. und nicht so gut im kickern. einen absacker auf die neue james-brown-platte vom flohmarkt, und ab in die heia.
freitag musste ich nochmal in die schule - schrecklich. zeit, dass es ferien gibt. ein schönheitsschläfchen bis 17 uhr, ein wenig essen und dann zu alexander osang, der aus seinem neuen buch vorlas, "lennon ist tot". es war verdammt leise, aber alexander osang hat tolle unterarme, eine feine körpersprache und es gab kostenlose getränke und nudelsalat. in einer steuerberaterkanzlei über den dächern der stadt, im belgischen viertel. danach, die vespa unterm hintern, suchten wir eine stunde, bis wir die bar zwo21einz fanden, motown wurde da aufgelegt, aber viel cooler war die projektion eines uralten james-brown - james brown! - konzertmitschnitts. der godfather of soul tanzt sowas von entspannt, dass es einem wirklich die fassung raubt. leider saßen unter der leinwand zwei ziemlich coole jungs, die irritiert von dannen zogen, als wir ständig in ihre richtung schauten und kicherten. alles beteuern, dass der mann mit der riesigen bernsteinbrille uns so amüsiert, half nichts. schade, coole jungs.
samstag hatten wir einen frisörtermin. zwei jahre hab ich felix bequasselt, und von der mähne über eine, sagen wir, afroreminiszenz, habe ich es jetzt bis zur ernstzunehmenden richard-ashcroft-lookalike-frisur geschafft. nachdem ich einen termin für uns beide gemacht hatte ("ja, ich nehme dann farbe" - aus solidarität), zog sich das aufwachen doch etwas länger hin, und aus zwei terminen um elf wurde einer um zwölf, den wir auch nicht einhalten konnten, weil überall in der stadt, besonders aber in ehrenfeld demos für / gegen / wegen des moscheebaus stattfanden. über dem hinterhof kreiste der hubschrauber. viel drängender war jedoch die frage: fahren wir mit dem roller zum frisör oder nehmen wir ein taxi ? aber wie kommt das durch? der roller stellte sich als geeignetes verkehrsmittel heraus, besonders, weil felix noch tante gertrud besuchen und ich aber dringend schwarze adidas-universal-schuhe haben musste. man traf sich im café fleur und schmökerte in den neuen büchern, u.a. "qq" von max goldt.
nochmal powernapping, das mir nicht gelingen wollte, hatte ich doch vier tassen kaffee im bauch. gegen 10 noch schnell zum rewe und fix gekocht, denn der dünne felix hatte schrecklichen hunger. ja, und als wir um elf loswollten, gab das tagesprogramm der stadtrevue so gar nichts interessantes mehr her. moment! samstag abend, und nichts zu tun? am ehesten - zum wiederholten male - ins sonic ballroom. 60er punk sollte gespielt werden. und meine neuen schuhe wollten tanzen. wir sollten streckenweise die einzigen bleiben, natürlich nicht, ohne vorher noch ein kickerturnier organisiert zu haben mit seltsamen typen, die viel zu ernst spielten, mit einem wumms, der einer boden-boden-rakete konkurrenz hätte machen können. manchmal hingegen auch gänzlich ohne wumms. da gönnte ich mir doch lieber noch ein, zwei astra und tanzte expressiv zu irgendwas.
kopfweh ist übrig, wie sich das gehört. noch drei tage schule, dann war's das fürs erste. ich muss mich bewerben, dringend. aber man kam ja zu nix am wochenende. nach dem papierkram packe ich die tasche, die unterm bett liegt und wartet. die nordsee ruft und direkt danach der großsegler auf der ostsee.
"Manchmal denk' ich wirklich: Lieber 'n Hund."

Interessant: ich kann ein ähnliches Verhalten bei mir feststellen. Und dabei habe ich früher stundenlang telefoniert. read more
on telefonieren